Abg. z. NR Rudolf Plessl

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Hitzige Diskussion um Bahnschließung

Zornig und kämpferisch zeigte sich das zahlreich erschienene Publikum des Informationsabends zur Schließung der Bahnstrecke Großschweinbarther Kreuz am 26. April in Großengersdorf, zu der die Gewerkschaft vida geladen hatte. Die Gewerkschafter Adolf Wimmer und Clemens Mechtler erklärten den Titel der Einladung so: «Wir haben das bisher oft erlebt: Erst wird der Zug eingestellt, dann die Busse zusammengestrichen und letztlich gibt es gar keinen öffentlichen Verkehr mehr, wenn die Gemeinden dafür nicht kräftig dazuzahlen.“ Und in Richtung der Bürgermeister entlang der Bahnstrecke: „Lassen Sie sich bitte nicht durch das Angebot, mit den Bussen auch den Schülertransport zu übernehmen, blenden. Denn wenn die Busse dann ausgedünnt werden, haben Sie keine Bahn und keinen Schulbus mehr – und müssen als Gemeinden wieder tief in die Taschen greifen.“

Schmäh mit den Elektro-Bussen
Das Land hat den Gemeinden versprochen, dass 70 Busse pro Tag fahren sollen - sauber und elektrisch. Doch diese E-Busse wird es frühestens 2022 geben. Vorerst wird es also zu zusätzlicher Verkehrs- und Abgasbelastung in den Orten kommen. Vida befürchtet, dass dieses Busangebot mit der Zeit ausgedünnt wird und man letztlich sagen kann, dass sich die Anschaffung der E-Busse gar nicht lohnen würde. Ganz abgesehen davon, dass es zu Problemen in den Park & Ride-Anlage Wolkersdorf und Deutsch Wagram kommen wird, wenn auch noch die für viel Geld modernisierte Haltestelle Obersdorf aufgelassen wird.

Nachdem selbst die Bürgermeister der Region von der Schließung der Bahnstrecke offenbar aus der Zeitung erfahren haben, hat sich die Mistelbacher Nationalratsabgeordnete Melanie Erasim mit einer Anfrage an Verkehrsminister Hofer gewandt, um mehr über das Zustandekommen des Beschlusses zur Schließung der Bahnlinie zu erfahren. „Antwort habe ich bis jetzt keine bekommen, daher werde ich nun eine parlamentarische Anfrage stellen, da muss der Minister dann antworten“, versprach Melanie Erasim den anwesenden PendlerInnen, sich massiv für ihre Interessen einzusetzen.

„Doch ohne die Mitwirkung der Bürgermeister der betroffenen Gemeinden wird es nicht gehen“, ergänzte der Gänserndorfer NR Rudolf Plessl. „Sie müssen mithelfen, beim Land Druck für den Erhalt der Strecke zu machen.“
„Wir sind für gute Lösungen zu haben“, meinten die anwesenden Bürgermeister von Großengersdorf und Pillichsdorf, Christian Hellmer und Franz Treipl. Letzterer schlug sogar vor, auf der Großschweinbarther Strecke die neuen E-Züge der Bahn einzusetzen, um eine wirklich innovative Lösung zu finden. Zumal die Gemeinden z. B. ihre Bebauungspläne bisher nach der Bahnlinie ausgerichtet haben, damit die Menschen auf schnellstem und kürzestem Weg zu den öffentlichen Verkehrsmitteln kommen. „Soll das jetzt alles umsonst gewesen sein?“, fragte Bgm. Treipl.

Bahn billiger als der Bus
An den Kosten kann es offenbar auch nicht liegen, wenn man den kolportieren Zahlen glaubt. Demnach soll der Busverkehr im ersten Jahr 3,6 Millionen Euro kosten, danach jährlich zwischen 2,5 und 3 Millionen – während die Bahn nur Kosten von 800.000 Euro im Jahr verursacht. Die Gewerkschaft vida vermutet schon allein aus diesem Vergleich, dass die 70 versprochenen Busse pro Tag schon kurz nach der Einführung dem Sparstift zum Opfer fallen – oder letztlich die Gemeinden mit zur Kasse gebeten werden. Auf die Publikumsfrage, warum kein Vertreter der ÖBB gekommen sei, antwortete Gewerkschafter Adolf Wimmer so: „Weil sie ihren Job nicht verlieren wollen!“

Mehr Zeitaufwand für Pendler
Für die Pendler bringt der Bus nichts. Denn schon jetzt ist der Zug schneller als das Auto. Und wenn der Bus nun durch die Orte fahren und bei jeder Haltestelle stehenbleiben soll, wird sich die Fahrzeit erheblich verlängern. „Das zeigt den ganze Unfug, wenn man eine funktionierende Bahnstrecke einfach schließen will“, sagt NR Rudolf Plessl.
Seine Nationalratskollegin Melanie Erasim weißt obendrein den Versuch des Landes NÖ zurück, die Schuld an der Schließung den ÖBB zuzuschieben: „Es liegt am Land NÖ den öffentlichen Verkehr zu bestellen. Doch wenn der zuständige Verkehrslandesrat Schleritzko das nicht tut, gibt es eben keinen Zug mehr. Auch wenn sein Vorgänger Wilfing eine Streckenschließung vor der Landtagswahl noch ausgeschlossen hatte!“

Daher sei es wichtig, über alle Parteigrenzen hinweg gemeinsam mit allen Bürgermeistern und Abgeordneten entlang der Strecke sowohl beim Land als auch im Verkehrsministerium Druck für den Erhalt und eine Attraktivierung der Bahnstrecke Großschweinbarther Kreuz zu machen, anstatt ein funktionierendes System zu zerstören. Zumal die Strecke für den Güterverkehr sehr wohl noch einige Jahre in Betrieb sein soll!